Landfrauen der Region bitten Politiker zum Speeddating

Gespräch in Wallenhorst

Im Gespräch: André Berghegger (CDU). Foto: Gert Westdörp
Im Gespräch: André Berghegger (CDU). Foto: Gert Westdörp
Zehn Tische für zehn Gesprächsrunden: Beim Politiker-Speeddating trafen zehn Bundestagskandidaten aus der Stadt und dem Landkreis Osnabrück auf Landfrauen aus der Region. Rund zehn Minuten hatten die Damen jeweils Zeit, die Politiker auf Herz und Nieren zu prüfen. Eine Momentaufnahme.

Mit einem knackigen „Ab an die Tische“ gibt Monika Feil, Bezirksvorsitzende der Landfrauen aus der Region Osnabrück, das Startsignal für das Speeddating am gedeckten Kaffeetisch in der Hofstelle Duling. In der Hand: Eine Klatsche, mit der sie nach rund zehn Minuten die Politiker zum Tischwechsel auffordert. Deren Gesprächspartnerinnen aus zehn Ortsvereinen des Altkreises Osnabrück haben keine Rosen im Knopfloch, dafür aber jede Menge Anliegen auf dem Zettel.

Fipronil-Eier beschäftigen Landfrauen
Obwohl mittlerweile nur noch ein Drittel der Landfrauen aus der Landwirtschaft stammt, drehen sich die Fragen vor allem um dieses Thema. Ganz weit oben: der Fipronil-Skandal. „Wie kann es sein, dass die anderen Länder nicht Nachricht gegeben haben, nachdem sie von der Belastung wussten?“, will Elsbeth Menke von SPD-Bundestagskandidat Rainer Spiering wissen. „Da hakt es beim Datenfluss“, gibt Spiering, Mitglied im Bundesausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, zu. Datenschutz, aber auch Unfähigkeit könnten dafür die Gründe sein. Auch Politik-Newcomer Günter Westermann, der für Bündnis 90/Die Grünen erstmals in den Bundestag einziehen will, muss sich an einem anderen Tisch Fragen rund um die belasteten Eier stellen. Der Ickeraner warnt vor schnellen Schuldzuweisungen: Höfe, die das Insektengift in ihren Ställen eingesetzt haben, seien einem Schwindel aufgesessen. „Trotzdem sind wir am Ende die Doofen“, macht Theresia Brickwedde in einer anderen Gesprächsrunde mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Mathias Middelberg deutlich. Es brauche nur einmal etwas in der Presse zu stehen, dann sei der Markt vergiftet. Ein Patentrezept hat Middelberg dagegen nicht: „Wir müssen weiterkämpfen“, sagt er und gibt zu Bedenken: „Wir haben mittlerweile festgestellt, dass das Ding viel relativer ist als anfänglich gedacht.“  Man müsse schon viele Eier essen, um wirklich gesundheitlichen Schaden zu nehmen.
 
Ungerechte EU-Förderung?
Um die Subventionspolitik der EU geht es in einem Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten André Berghegger. Hauptkritikpunkt: das Flächenprogramm der EU, bei dem vor allem Betriebe mit großen Hektarzahlen profitieren, Landwirte mit hohem Tierbestand aber den Kürzeren ziehen. „Das ist total ungerecht“, stellt Elisabeth Jankrift fest. „Da müssen wir gegensteuern“, gibt Berghegger zu. Förderung müsse passgenau ausgefallen, sodass viele Arten der Landwirtschaft abgedeckt würden. Erforderlich sei daher eine frühzeitige Evaluation, wenn in 2020 die neue Förderperiode anläuft. Auch Filiz Polat, bislang für die Grünen im Niedersächsischen Landtag, ist die Problematik der EU-Flächenförderung bekannt. Auch sie setzt auf die kommende Förderperiode, weiß aber: „Wenn sich die Agrarlobbyisten durchsetzen, haben wir keine Chance.“

Tischwechsel: Dort ist Thomas Thiele, FDP-Bundestagskandidat der Stadt Osnabrück, ein anderes Thema wichtig: die Bildungspolitik. Dass diese immer noch Ländersache ist, sei ein „Anachronismus“. „Wir müssen überlegen, was in Bayern besser läuft“, sagt er und fordert eine bundespolitische Vereinheitlichung. Auch für Parteikollege Matthias Seestern-Pauly, der für die FDP im Landkreis Osnabrück ins Rennen geht, ist Bildung „die ganz große Zukunftsfrage“. Der Lehrer der Osnabrücker Ursulaschule fordert klare Standards für die räumliche und mediale Ausstattung an deutschen Schulen.
 
Plädoyer für die Pflege
Der SPD-Bundestagskandidatin Antje Schulte-Schoh ist das Thema Pflege ein wichtiges Anliegen. „Für die beruflich Pflegenden hat sich nicht viel verbessert. Es ist immer mehr Arbeit dazugekommen“, sagt sie, die seit 30 Jahren als Altenpflegerin arbeitet. Die Konsequenz: Immer weniger blieben in diesem Beruf. Ihre Forderung: Mehr Mitarbeiter und eine bessere finanzielle Ausstattung der Pflege.
 
Um ein ähnliches Thema, die ärztliche Versorgung auf dem Land, geht es einige Tischwechsel später im Gespräch mit der Kandidatin der Linken, Giesela Brandes-Steggewentz. Landfrau Maria Lemmermöhle berichtet, dass in ihrer Heimatgemeinde eine Vielzahl von Ärzten ihre Praxen aus Altersgründen schlössen, aber keine Nachfolger hätten. Das dürfe nicht sein, sagt Brandes-Steggewentz: „Der Allgemeinmediziner muss auch weiterhin gut erreichbar sein. Darum müssen sich Krankenkassen und Ärztekammern kümmern.“ Ihr Parteikollege Josef Riepe, der im Landkreis kandidiert, muss sich zur Flüchtlingsfrage äußern: „Wie wollen Sie die Aufnahme von Flüchtlingen steuern?“, fragt ihn Elisabeth Jankrift. Seine Antwort ist klar: „Es wird mit der Linken ein Einwanderungsgesetz geben. Wir können nicht die ganze Welt aufnehmen.“
 
Familiärer Rahmen
Bezirksvorsitzende Monika Feil zeigte sich am Ende zufrieden: „Die Gespräche hörten auch nach dem Signal nicht auf. Die Frauen schätzen es, im familiären Rahmen Kontakt zu bekommen.“  Bereits zur Bundestagswahl 2013 gab es bei den Landfrauen ein Speeddating mit regionalen Politikern. Wegen der positiven Resonanz werde es jetzt im gesamten Weser-Ems-Bezirk veranstaltet, berichtet Feil.
 

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