Politiker-Speeddating beim Kreislandvolkverband Melle

Landwirten Rede und Antwort gestanden

Die Bundestagskandidaten aus dem Osnabrücker Land trafen sich zum Politiker-Speeddating in Melle: (von links) André Berghegger (CDU), Matthias Seestern-Pauly (FDP), Filiz Polat (Die Grünen), Rainer Spiering (SPD) mit Moderator Arnold Wessling und dem erst
Die Bundestagskandidaten aus dem Osnabrücker Land trafen sich zum Politiker-Speeddating in Melle: (von links) André Berghegger (CDU), Matthias Seestern-Pauly (FDP), Filiz Polat (Die Grünen), Rainer Spiering (SPD) mit Moderator Arnold Wessling und dem erst
Welches Parteiprogramm ihren Interessen am nächsten kommt, erfuhren Mitglieder des Kreislandvolkverbandes Melle bei einem Politiker-Speeddating auf dem Hof Seidel in Melle-Suttorf.

Im Unterschied zum klassischen Speeddating ging es in Melle nicht um die große Liebe, sondern um die nächste Wahl. Aufgeteilt in kleine Gruppen hatte jeder die Möglichkeit, mit den Bundestagskandidaten für das Osnabrücker Land ins Gespräch zu kommen.

Belange des ländlichen Raumes
Besonders intensiv diskutierten die geladenen Gäste über die Belange des ländlichen Raumes und die Zukunft der Tierhaltung. Die ärztliche Versorgung auf dem Land war Thema an jedem Tisch. FDP-Kandidat Matthias Seestern-Pauly will es Medizinern leichter machen: „Die Arbeit als Hausarzt muss finanziell attraktiv sein. Das größte Problem ist die Budgetierung. Ein Arzt muss behandeln dürfen, wenn die Menschen krank sind, auch wenn sein Budget voll ist.“ Den Numerus Clausus zu lockern und die Kapazitäten der Universitäten zu erweitern würde zusätzlich für mehr Ärzte sorgen, von denen dann zwangsläufig auch mehr auf dem Dorf praktizierten, so Seestern-Pauly.
Beherrschendes Thema in den Gesprächen mit Grünen-Kandidatin Filiz Polat war die Tierhaltung. Sie wünscht sich bessere Chancen für kleine Betriebe, wollte sich aber nicht auf Bestandsobergrenzen für große Tierhaltungsanlagen festlegen. „Unabhängig von der Anzahl der Tiere muss die EU-Förderkulisse so geändert werden, dass Lebensmittel tiergerecht produziert werden.“ Es dürfe nicht nur nachjustiert werden, sondern eine Neuausrichtung müsse vorgenommen werden. Für mehr Tierwohl bedürfe es außerdem einer Änderung im Baugesetzbuch. „Im Moment kriegen die Großen viel und die Kleinen wenig“, so ihr Empfinden.

Praktikabilität der Förderprogramme
Der CDU-Bundestagsabgeordnete André Berghegger sieht trotz der Steuerung über die EU viel Spielraum für die Bundesrepublik. Die Praktikabilität der Förderprogramme müsse immer wieder hinterfragt werden und der bürokratische Aufwand dürfe nicht Überhand nehmen. „Man muss nicht immer alles regeln, sondern nur das, was nötig ist“, war seine Meinung. Für jede zusätzliche bürokratische Auflage müsse eine andere abgeschafft werden. Die Kritik der Landwirte an der Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen für Baugebiete nahm er ernst und sprach sich dafür aus, vorhandene Infrastruktur zu nutzen und bestehende Splittersiedlungen aufzuwerten: „Es muss auch möglich sein, für ein altes Haus im Außenbereich eine Baugenehmigung zu bekommen, um dort wieder zu leben, anstatt auf freier Fläche neu zu bauen.“
 
Digitalisierung aller Arbeitsabläufe
Für Rainer Spiering von der SPD liegt die Zukunft der Landwirtschaft in der Digitalisierung aller Arbeitsabläufe und Dokumentation. Die Weichen werden von den Landtechnikherstellern bereits gestellt. „Die sind da viel weiter als in der Automobilbranche und das müssen die Landwirte nutzen“, ist er überzeugt. Damit die Technik angewendet werden könne, müsse viel mehr Wert auf die gute Ausbildung der Landwirte in der Berufsschule gelegt werden. Um die Schulen aufzuwerten und die Lehrer weiterzubilden müssten mehr Mittel bereitgestellt werden. Dass mit zunehmender Technisierung und Digitalisierung zukünftig noch mehr kleine Betriebe aufgeben, glaubt er nicht: „Ich denke, beides geht. Konventionelle, große Betriebe und spezialisierte, kleine Betriebe.“
 
Die Moderation der Veranstaltung übernahm Arnold Wessling. Der ehemalige Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh und des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe leitete auch die abschließende Fragerunde. Jürgen Sixtus, erster Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Melle, der die Politiker in seiner Begrüßungsrede vorstellte, war glücklich über die rege Beteiligung und die ehrlichen Gespräche. Sein Fazit: „Die Politiker, die uns vertreten sollen, einmal persönlich kennenzulernen und ihre Meinung aus erster Hand zu erfahren, war wichtig für uns.“
 

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