André Berghegger in Melle auf der Bürgerkanzel

Zum Reformationstag

In der Paulusgemeinde „predigte“ am Reformationstag MdB André Berghegger. Foto: Norbert Wiegand
In der Paulusgemeinde „predigte“ am Reformationstag MdB André Berghegger. Foto: Norbert Wiegand
 Im feierlichen großen Reformations-Gottesdienst in der Meller Paulusgemeinde „predigte“ der Katholik und Bundestagsabgeordnete André Berghegger auf der Bürgerkanzel: „Es geht darum, keine Mauern, sondern Brücken zu bauen“ - so lautete eine Kernaussage, die sowohl auf Martin Luther vor 500 Jahren als auch auf die heutigen gesellschaftlichen Anforderungen zutrifft.

In seinem Vortrag ging der ehemalige Meller Bürgermeister auf die von Martin Luther ausgehenden Impulse ein, die einen Wandel in der ganzen Welt bewirkt haben. Der Reformator habe sich dabei mit teils witzigen, teils groben Denkanstößen nicht nur mit theologischen und religiösen, sondern auch mit sozialen Fragen befasst. So habe er sich klar gegen Luxus im Alltag ausgesprochen. „Pfaffen sollten beten und nicht regieren“, zitierte Berghegger den Gründer der evangelischen Kirche.

„Das Ziel der Reformation war eigentlich nicht die Spaltung der Kirche, sondern ihre Reformierung“, gab der Vater, dessen Ehefrau und Kinder evangelisch sind, ein klares Bekenntnis zu ökumenischer Verbundenheit in der heutigen Zeit ab. Auch in der „jetzigen bewegten Zeit“ sei eine „zunehmende Verunsicherung“ in einer immer „pluraleren Gesellschaft“ festzustellen. Auf die teils rasanten Veränderungen gäbe es allerdings keine einfachen Antworten. Immer wieder sei die Überwindung von scheinbaren und tatsächlichen Gräben gefordert.
 
Offener Applaus
„Und wenn Sie sich fragen, ob ich als Bundestagsabgeordneter schon etwas für Sie persönlich getan habe, dann kann ich auf den heutigen Sonder-Feiertag zum 500-jährigen Reformationsjubiläum hinweisen“, wendete sich Berghegger an die Gottesdienstbesucher. Denn er habe im Bundestag dafür gestimmt. Mit den Luther-Worten „eine Predigt sollte nie länger als 20 Minuten dauern“, beendete er seine Ansprache, die mit Applaus bedacht wurde.

Darauf reagierte Pastor Bernhard Julius mit der Bemerkung, dass Applaus für Predigten durchaus auch in anderen Gottesdiensten willkommen wäre. Er erinnerte an die Verbindung zur südafrikanischen Partnergemeinde Kwa Mashu, in der jetzt ebenfalls das Reformationsjubiläum gefeiert werde. „Ganz im Sinne Luthers nehmen wir das Priestertum aller Gläubigen ernst, deshalb feiern wir diesen Reformationsgottesdienst mit einer Bürgerkanzel“, erklärte der Pastor. Mit einem katholischen Prediger werde die ökumenische Verbundenheit in versöhnter Verschiedenheit zum Ausdruck gebracht.
 
Evangelium zum Mitnehmen
Bernhard Julius übergab eine neue Altarbibel in der Lutherübersetzung 2017 an Birgit Lawrance als Vertreterin der Gemeinde. Alle Gemeindemitglieder bekamen ein Lukasevangelium zum Mitnehmen nach Hause. Birgit Lawrance vom Kirchenvorstand hatte den Gottesdienst eröffnet und darauf hingewiesen, dass Luther Diskussionen und Auseinandersetzungen als Weg zum Ergründen der Wahrheit befürwortete.
 
Musikalisch wurde der Gottesdienst auf beeindruckende Weise von Gerd Kruse an der Orgel und vom Posaunenchor Paulus-Petri gestaltet. Posaunenchorleiterin Ursula-Maria Busch hatte mit den Musikern neue Melodien zu alten Texten von Martin Luther einstudiert.

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